„Dark Horizon“ – Übung Stromausfallszenario

Wir saßen im Ausbildungsraum der Feuerwehr Nieder-Ramstadt zum wöchentlichen Ausbildungsabend der Einsatzabteilung. Es war 19:08 und die Wehrführung informierte uns Mitglieder der Einsatzabteilung über aktuelle Themen. Plötzlich saßen wir im Dunkeln! Das Licht war aus, ein Notstromaggregat gibt es für die Feuerwehr Nieder-Ramstadt nicht. Uns allen kamen Fragen auf: „Sind wir Einsatzbereit?“, „Wieso ist das Licht aus?“, „Eine Sicherung durchgebrannt? – Nein im Sicherungsschrank sind alle Sicherungen drinnen.“.

In einer herausfordernden und realitätsnahen Übung simulierten die Feuerwehr Mühltal/Nieder-Ramstadt am 10.12.2025 einen großflächigen Stromausfall, der den gesamten Ortsteil Nieder-Ramstadt sowie Teile des Landkreises in Dunkelheit tauchte. Das Szenario „Dark Horizon“ stellte die Einsatzkräfte vor Herausforderungen und zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Zusammenarbeit, schnelle Reaktionszeiten und die richtige Vorbereitung in Krisensituationen sind.

Stromausfall trifft das Feuerwehrgerätehaus Nieder-Ramstadt

Der simulierte Stromausfall traf nicht nur die Haushalte und kritische Infrastrukturen, sondern auch das Feuerwehrgerätehaus in Nieder-Ramstadt. Als das Licht erlosch und die Kommunikation abbrach, stand die Feuerwehr plötzlich ohne geeignete Notstromversorgung da. Auch ein zusammengebrochenes Mobilfunknetz wurde von der Übungsleitung simuliert.

Ein unverzichtbares Puzzleteil in dieser Notsituation war die zeitnahe Nachalarmierung des THW Groß-Umstadt. Mit Ihrer Fachgruppe Stromversorgung konnte das THW innerhalb einer Stunde eine mobile Notstromversorgung aufbauen und das Feuerwehrgerätehaus wieder mit Strom versorgen. Dies war von besonderer Bedeutung, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr aufrecht zu erhalten, da die Feuerwehr Mühltal über keine eigenen Netzersatzanlagen verfügte.

„Dieser Moment war entscheidend“, so der Wehrführer der Feuerwehr Nieder-Ramstadt Jan Wendel. „Ohne die Unterstützung des THW hätte sich in dieser Phase der Übung unsere Einsatzfähigkeit drastisch reduziert. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen war hier absolut entscheidend und hat gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Netzersatzversorgung ist, wenn die Infrastruktur ausfällt.“ Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht und ein adäquater Ersatz für das seit über einem Jahrzehnt fehlenden Notstromaggregat auch nicht. Das THW steht im Einsatzfall nicht zur Verfügung, da andere Kritische Infrastruktur durch das THW versorgt werden muss.

Das Feuerwehr Gerätehaus als Leuchtturm / zentrale Anlaufstelle

Sobald der Strom mittels Aggregats wiederhergestellt war, konnte im Gerätehaus der Feuerwehr Nieder-Ramstadt eine wichtige Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger eingerichtet werden. Der sogenannte „Leuchtturm“ war eine zentrale Versorgungsstation, die den Menschen in der Krise Warme Räumlichkeiten, medizinische Hilfe und Informationen bieten sollte. Während der Übung versorgte das Küchenteam der Feuerwehr Nieder-Ramstadt die Bürgerinnen und Bürger mit warmer Verpflegung, und es wurden Unterbringungsmöglichkeiten für betroffene Personen geschaffen.

Szenarien für alle Eventualitäten – Feuerwehr in Höchstform

Die Übung beinhaltete neben der Bewältigung des Stromausfalls auch zahlreiche weitere Einsatzszenarien, die das Team der Feuerwehr Nieder-Ramstadt auf die Probe stellten. Im Laufe der Übung mussten unter anderem brennende Häuser gelöscht werden, Verkehrsunfälle aufgrund von ausfallenden Ampelanlagen abgearbeitet und falsch betriebene Holzöfen in nicht beheizten Wohnungen gelöscht werden. Auch Fragen bzgl. der Trink-/Löschwasserversorgung und Abwasser wurden durch die Einsatzleitung in der Führungsstelle behandelt.

„Die Szenarien waren äußerst realistisch“, erklärt Yannis Karle, Mitglied der Übungsleitung. „Es gab keine Routineeinsätze. Jede Herausforderung musste direkt und unter größtem Druck gemeistert werden. Es zeigte sich, dass unsere Einsatzkräfte gut vorbereitet sind und in der Lage sind, auch unter extremen Bedingungen zu handeln. Neben den erschwerten Bedingungen der aufzustellenden Notstromversorgung des Gerätehauses ohne eigene Notstromaggregate, war Ziel der Übung die Abläufe für jede einzelne Funktion zu beüben und eine belastbare Führungsstruktur aufzubauen.“

Fazit: Eine Übung, die Mut macht und Sicherheit gibt

Die Übung „Dark Horizon“ war nicht nur eine eindrucksvolle Demonstration des Einsatzes von Feuerwehr und THW in einer Krisensituation, sondern auch ein klarer Beweis dafür, wie gut die Zusammenarbeit und die Notfallvorsorge in Nieder-Ramstadt und Umgebung durch die Feuerwehr Mühltal organisiert wird. Sie zeigte, dass durch richtige Vorbereitung, Teamarbeit und technische Ausstattung selbst in einer derart extremen Notlage die Bürgerinnen und Bürger geschützt werden können. Notstromaggregate für den Einsatzfall stehen der Feuerwehr allerdings nach wie vor nicht zur Verfügung.